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Mittwoch, 12. Oktober 11 um 11:14

Dr. Josef Ausmann sprach bei der Monatsversammlung der FW über den Ärztemangel

Kategorie: Aktuelles

Von: Bettina Schwarz

Einen Einblick in die schwierige Situation bei den Haus- und Fachärzten auf dem Land gab Dr. Josef Ausmann am Montag Abend im Gasthaus Eigenstetter.

Der Hausarzt aus Furth erläuterte bei der Monatsversammlung der Freien Wähler, wie gravierend der Ärztemangel ist, was im Landkreis Landshut dagegen unternommen wird und welche Aufgaben auf die Kommunen zukommen werden.

Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden der Freien Wähler, Christian Brandstetter, und der Vorstellung des Rottenburger Hausarztes Dr. Anton Beck sowie Dr. Josef Ausmann, begann Letzterer mit seinem Vortrag.

Gleich zu Beginn machte er klar, dass er "mehr Klarheit schaffen" wolle, da die Ärzteknappheit auf dem Land aktuell ein sehr undurchsichtiges Thema sei. Ausmann, der aufgrund seines jungen Alters eine echte Rarität unter den ländlichen Hausärzten ist, will zudem einen Förderverein im Landkreis Landshut gründen.

*Ein Drittel in Rente*

Den Einstieg machte er mit einigen Fakten zum Ärztemangel, beispielsweise, dass in fünf Jahren ein Drittel der Hausärzte in Rente gehen wird oder sich in zehn Jahren die Zahl der Demenzerkrankungen um 100 und die der Krebserkrankungen um 50 Prozent erhöhen wird. Da die Menschen stets älter werden, erkranken auch immer mehr, wodurch die Hausärzte in den kommen Jahren im günstigsten Fall auch mehr werden sollten. Bis 2030 werden allerdings 50000 fehlende Ärzte und Pflegehelfer erwartet.

An den Studenten liegt das jedoch nicht, denn davon gibt es momentan sehr viele. Von diesen gehen jedoch weniger in den kurativen Bereich, dagegen ist beispielsweise die Pharmazie beliebter. "In Bayern werden mindestens 70 Hausarztposten im nächsten Jahr nicht mehr besetzt", erzählte Ausmann. Bei insgesamt 7000 bayerischen Ärzten auf dem Land sind das zwar auf den ersten Blick nicht viele, doch in der Peripherie ist dieser Wandel nur zu deutlich spürbar. Obwohl viele Steuergelder in die spezialisierte Medizin auf dem Land gesteckt werden, können die Investitionen nicht genutzt werden, wenn die Ärzte dort nicht vorhanden sind. "Das ist ein ganz massives infrastrukturelles Problem", verkündete der Hausarzt.

*Residenzpflicht aufgelöst*

Das neue Versorgungsgesetz sei dabei mehr eine Notwendigkeit als eine Großzügigkeit von oben. Nun wurde die Residenzpflicht aufgelöst, also könnte Ausmann seine Praxis in Furth beispielsweise von Landshut aus leiten. "Aber was bringt mir und den Patienten das? Weil, wenn es pressiert, muss ich erst eine halbe Stunde nach Furth fahren", kritisiert der Doktor die Änderung. Zudem "kann die Kommune nun selbst

einen Arzt betreiben", so sagt das Gesetz. Laut Ausmann wird das Wörtchen "kann", beziehungsweise "muss", sollte es geändert werden, ein finanzielles schwarzes Loch für die Gemeinden bedeuten.

*Mentoren für die Studenten*

Um den Haus- und Fachärztemangel auf dem Land weiter zu stoppen, wirbt das La.KUMed intensiv um die jungen Studenten. Während der gesamten Ausbildung bleiben diese im Klinikverbund, dazu wird ein Mentorensystem aufgebaut. Durch den Förderverein soll der Landkreis ebenfalls attraktiver gemacht werden, denn "wer fünf Jahre in der Region arbeitet, der bleibt dann auch hier", meint der Hausarzt. Rottenburg war eine der ersten Gemeinden, die den Förderverein unterstützte, wofür Ausmann vor allem Bürgermeister Alfred Holzner sehr dankbar war. Ein zusätzliches Problem sei der immense bürokratische Aufwand im Gesundheitssystem, da laut Ausmann die Versorgungs- und Verwaltungskosten der Krankenkassen in etwa gleich viel betragen. "Eine Minute medizinische Arbeit braucht zwei Minuten, um korrekt dokumentiert zu werden." Und dabei sollte angesichts des demografischen Wandels viel mehr Wert auf Prävention gelegt werden.

 

Dr. Josef Ausmann ist für Fragen und Informationen zu diesem Thema von

13 bis 15 Uhr in seiner Praxis unter Telefon 08704-1050 zu erreichen.