Christian Brummer vom Vogelschutzbund informierte über den Kormoran
Der Vogelbestand wird immer größer, die Fischteiche aber immer leerer: Die Meinung, der Kormoran, Vogel des Jahres 2010, verursache massiven wirtschaftlichen Schaden und bedrohe bestimmte Fischarten, ist weit verbreitet. Eine etwas andere Sichtweise präsentierte Christian Brummer vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) beim
Monatstreff der Freien Wähler. Er zeigte auf, dass der Meistertaucher zu Unrecht verfolgt und gejagt wird.
„Der Kormoran hat ein Problem: Er frisst Fisch“, scherzte FW-Ortsvorsitzender Christian Brandstetter bei der Begrüßung am Montagabend im Bürgersaal. Er dankte dem Gastreferenten Christian Brummer, Kreisgruppenvorsitzender des LBV, und Bürgermeister Alfred Holzner für ihr Kommen. Brummer brachte den Zuhörern den Fischjäger näher, Holzner lieferte aktuelle Infos zur Kommunalpolitik.
Umstrittene Entscheidung
Die Entscheidung des LBV, den Kormoran als Vogel des Jahres 2010 zu wählen, sei umstritten gewesen, betonte der Gastreferent. Nicht umsonst heiße er mit lateinischen Namen Corvus marinus (Meerrabe). Ein Merkmal des dunkel gefiederten Vogels ist sein kreuzförmiges Flugbild. Eine weitere Besonderheit ist sein wasserdurchlässiges Gefieder. Dadurch liegt der Kormoran sehr tief im Wasser und muss beim Tauchen nicht gegen den Auftrieb ankämpfen. Das macht ihn zum erfolgreichen Fischjäger. Rund 500 Gramm Fisch verspeist der Vogel täglich, schätzte Brummer.
Kormorane sind Koloniebrüter. Drei bis vier Eier legt ein Weibchen, die Brutzeit dauert drei Monate. Im 19. und 20. Jahrhundert verfolgte der Mensch den „Meerraben“, der beinahe ausgerottet wurde. 1970 wurde er unter Naturschutz gestellt, sodass sich der Bestand zwischenzeitlich erholen konnte. Heute gebe es bayernweit laut Brummer zwölf Brutkolonien mit 600 Brutpaaren. Das einzige Brutvorkommen in Niederbayern sei am Echinger Stausee mit etwa 25 Paaren, berichtete der Vogelkundler weiter.
Gastvögel aus dem Norden
Von September bis April nehme der Bestand zu, da Gastvögel aus dem Norden in Bayern überwintern. Doch auch diese Zahl halte sich seit Jahren stabil. Das Argument, die Fischteiche seien leer gefressen, ließ Christian Brummer nicht gelten: „Der Kormoran hat sich dem Nahrungsangebot angepasst. Wären die Gewässer leer gefischt, wäre der Kormoran gar nicht da.“ Die Gefährdung der Fischbestände habe andere
Ursachen. An einer Grafik verdeutlichte Brummer, dass die Bestände bereits zu einem Zeitpunkt abnahmen, als der Kormoran in Bayern noch
nicht beheimatet war.
Der Kreisgruppenvorsitzende kritisierte die scharfe Bejagung und Verfolgung, die derzeit erlaubt sei. Die Maßnahmen reichen vom Abschuss während der Brutzeit bis zur Zerstörung der Gelege mit Öl und Teer. „Das sind mittelalterliche Methoden“, missbilligte Brummer. Der Kormoran sei Teil des ökologischen Systems.
Politische Informationen Um den Bogen zu den aktuellen Ereignissen aus der Kommunalpolitik zu spannen, berichtete Bürgermeister Alfred Holzner unter anderem über das Laabertalprojekt, das fast abgeschlossen ist. „Wir können uns glücklich schätzen, andere Kommunen bekommen für solche Maßnahmen keine Zuschüsse mehr“, erklärte der Rathauschef. In Zeiten der wirtschaftlichen Engpässe habe der Freistaat keinen Cent für ökologisch wertvolle Flächen. Holzner prangerte die Verschwendung von Steuergeldern an, wie es bei den Bonuszahlungen an die marode Hypo Real Estate geschehen sei. Und auch über die Atompolitik der Bundesregierung äußerte sich der Bürgermeister kritisch. Mit dem eingeschlagenen Kurs verhalten sich die Politiker als „Marionetten der Großkonzerne“. Unverständlich war ihm, dass im Kreistag nicht über das Thema gesprochen wurde: „Das Gremium soll zumindest über
das Thema beraten und diskutieren dürfen.“